Italien: Von Pizzen & Petzen in Friaul-Julisch Venetien

Bella Italia! Die Grenze können wir schon sehen und packen alles an italienischen Vokabeln aus, was unsere Gehirne bieten: Buongiorno, Grazie und solo con giotto. Das wir es kurz darauf im Land der kohlenhydratfreudigen Ernährungen nicht schaffen werden mit dem Hund eine Pizza zu ergattern, ahnen wir natürlich noch nicht…

Wenn es ums reisen geht sind wir hoffnungslose Optimisten: Wir planen nicht, wir recherchieren kaum und wir fahren erstmal irgendwo hin. Dann gucken wir, wie es da so werden könnte. Genau so landeten wir dann auch beim traumhaften Pond du Gard in Frankreich oder der herzerwärmenden buddhistischen Stupa Nahe Malaga.

Und jetzt führt uns diese gegenwartsgetriebene Reiserei auf einen ganz furchtbaren, touristischen Vergnüngsstrand namens Marina Julia, und dann auf alptraumhafte Pizzajagd hier in Nord-Ost-Italien.

Mit dem Hund Pizza essen in Italien

Zu viele Kinder, zu viele Spielplätze, überhaupt zu viele Menschen, definitv zu wenig Platz und ganz sicher zu viele riesige Schiffe vor der Nase: Mit diesem gruseligen Strandeindruck in unserer Nachbarschaft fahren wir nach Monfalcone. Auf den Schock erstmal Kalorien kippen.

Nebenbei checke ich Google Maps nach geeigneten Locations aus. Vorgeschlagen wird uns eine Pizzeria in die ich freiwillig nie einen Fuß setzen würde. Aber hunderte positive Bewertungen sprechen für sich – und gegen die gruselig schäbige Fassade.

Als wir davor stehen, bin ich mir allerdings nicht mehr sicher und außerdem hoffnungslos verwirrt: Google Translator erklärt mir, dass auf dem Schild auf an der Tür „Offen“ steht, die Öffnungszeiten behaupten das gleiche, aber drinnen ist alles leer und dunkel.

Ok. Kann ja mal passieren.

Die nächste vom Internet empfohlene Pizzeria liegt 500m entfernt. Die Pizzerien-Dichte lässt sich nicht lumpen und Italien nicht die Butter vom Brot oder besser, den Käse von der Pizza nehmen.

Auf dem Weg dorthin schrillen bei mir trotzdem alle Alarmglocken.

Wieso ist hier eigentlich alles zu? Wieso kein Mensch auf der Straße? Warum ist es grau und dunkel? Mafiaflair macht sich breit. Na gut. Immerhin irgendwie italienisch.

Vor dem leeren Laden kommen wir zum stehen. Nur ein Tisch ist besetzt, mit einer älteren Dame und einem Herren der uns den Rücken zudreht. Während wir uns noch hilfesuchend umsehen ob wir hier wohl mit dem Hund eine Pizza bekommen können, bricht italienisches Gebrabbel über mich herein.

Nach einem „…sorry?“ versucht es die Dame, genau so wenig freundlich wie zuvor, mit spartanischer Zeichensprache und der Mann der mir den Rücken zudreht ergänzt mit Bruchstücken in Englisch. Wir sollen in einer halben Stunde noch mal wieder kommen, heißt es am Ende wenig freundlich. Ja klar, hier sind die Besitzer wohl noch mit rauchen beschäftigt.

Der Horror beginnt mit Pizzeria #3

Ich bin angesäuert. So sehr, dass ich meine Handy zücke und erst mal schlechte Bewertungen über Google Places verteile. Ist mir egal ob ich eine Petze bin. Ich habe Hunger und werde gefährlich.

Fünf Minuten später sitzen wir wieder im Auto. Noch geben wir nicht auf und fahren  ein paar Minuten Richtung Norden nach Redipuglia. Mal ehrlich. So schwer kann es nicht sein, eine Pizza in Italien zu bekommen? Und diesmal verspricht das Internet echt hoch und heilig, dass der Laden eine Wucht ist. Ich glaube ihm. Noch.

Als wir am Restaurant vorbeifahren holt uns die Realität mit riesen Schritten ein. Neben dem Eingang gibt es drei Haken in der Wand und drei vereinsamte Wasserschüsseln auf großzügigen zwei Metern Länge. Die Schilder darüber, deren genauen Bedeutung wir ergooglen, lassen uns wissen das Hunde wieder im Lokal, noch auf der Terasse willkommen sind und bitte hier geparkt werden sollen.

Foto vom Hundeparkplatz eines italienischen Restaurants
Dinge, die wir niemals tun würden: Unseren Hund vor einem Lokal anbinden. (Und schon gar nicht bei über 30° Grad…)

Ha ha, ja klar!

Mittlerweile in Rage vor Hunger, wütend über Italien das ich mir doch so gastfreundlich und bunt und laut vorgestellt hatte und genervt davon, dass dieser Start kein guter ist, hacke ich gleich mit Fotobeweis die nächste entzürnte Bewertung ins Internet. Nimm dies, Hundeunfreundlichkeit!

Hunde willkommen – Worte, die wir gerne hören!

Martin will schon kapitulieren und dem ortsnahen McDonalds den Vortritt geben. Aber ich bringe es nicht über mein ideelles Herz und außerdem hatten wir vielleicht schon die letzten zwei Tage „Mägges“ Spezialität, aus Gründen… hust hust.

Unser letzter Versuch führt uns nach Gradisca d’lsonzo in Oberitalien, nicht weit entfernt von der slowenischen Grenze.  Schon der Weg dorthin stimmt mich friedlicher: Endlich bunte, hübsche, kleine Häuschen, ein türkisfarbener Fluss, Springbrunnen und Blumenkästen.

Gradisca d'lsonzo in Oberitalien - italienisches Flair
Endlich: Italienisches Flair in Gradisca d’lsonzo – und traumhafte schöne Häuserdeko!

Zu Fuß gehen wir durch den grünen Park und die hübschen Gässchen der Altstadt. Neben zahlreichen Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner alle artig an der Leine haben, einigen Eisdielen und Cafes fällt mir vor allem eines auf: Die Aufkleber in den Türen der Restaurants die besagen „Hier sind Hunde willkommen.“

Moment, haben wir etwa gerade das Paradis erreicht?

Definitv ja!

Denn in der Pizzeria Al Leon D’Oro, in einer dieser tollen alten Gassen werden wir samt Motzi nicht nur freundlich begrüßt und aufgenommen, nein, wir bekommen auch noch ohne jede Extrabitte eine Speisekarte in Deutsch und Englisch auf den Tisch. Heimatgefühle!

10 Minuten später sitzen wir vor übervollen, dampfenden Pizzatellern und Capresetürmchen und sind mit Italien wieder ganz fein.

Foto unserer Pizzen und Capresetürmchen
Ja, es täuscht nicht: Womöglich schon ausgemergelt gibt es endlich doch noch fette Pizzen und Caprese-Teller

Die Hard Facts noch mal im Überblick:

    • Niemals ohne Google Maps & der Google Translator aus dem Haus, sofern du kein italienisch sprichst oder verstehst. Klar, ne.

 

    • Am Strand Marina Julia sind Hunde erlaubt, dafür ist er aber auch höchst touristisches Gebiet, also nur was für die, die genau das wirklich mögen. Kiesstrand, Kinderspielplatz und viele Parkplätze erwarten euch.

 

    • Italienische Öffnungszeiten sind relativ, zumindest in Monfalcone, das wohl auch einen schönen Teil hat – den haben wir aber nicht gesehen.

 

    • Für leckere italienische Pizzen & Speisen und verständliche Karten* mit Hund ins Al Leon D’Oro ins Gradisca d’lsonzo. Eine Pizza kriegt man hier (Stand 06/2018 ) für 4,00€- 6,50€.

 

  • Bei der Suche nach hundefreundlichen Lokalen auf diesen Sticker (meist in Türnähe) achten: Er garantiert Hundefreundlichkeit!

 

 

Pizza gut, alles gut.

Jetzt, wo ich mit dem Laptop im Bett sitze, unsere italienischen Nachbarn freundlich lärmen, lachen und in Großfamilien-Manier feiern höre und vollgestopft bin mit Kohlenhydraten und Käse muss ich sagen: Gar nicht so übel, Italien. Auf die nächsten Tage!

Gradisca d'lsonzo und seine bezaubernde Altstadt
Wenn dich das italienische Flair in höchste Verzückung versetzt: Motzi schlägt Purzelbäume vor Freude in der italienischen Altstadt

Warst du schon mal in Pizza-Not in Italien oder stand dein erster Italien-Besuch mit Hund unter einem anderen Stern?

Käse, Kohlenhydrate und Calzone senden,
Tamara, Martin & Motzi

 

 

*Das heißt übrigens nicht, dass ich deutsche / englische Karten vorraussetze oder unabdingbar finde, aber machen wir uns nichts vor: Es ist einfach einfacher!

 

 

 

Tamara lebte von Kindesbeinen an mit Hunden zusammen, schlug zwischenzeitlich sogar einmal die Karriere als Tierarzthelferin ein, gründete und leitete zwei Tierschutzvereine und ist natürlich selbst Hundebesitzerin. Wenn sie nicht irgendwas-mit-Hunden oder irgendwas-mit-Medien macht ist sie am liebsten auf Reisen – mit Hund, versteht sich.

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