Decluttern / Entrümpeln Part I: Tipps für Einsteiger – Wie, was, wo!

Für unsere mindestens vier Monate dauernde Europareise müssen wir vor allem eines tun: Uns entwurzeln! Angefangen haben wir mit der Aufgabe unseres Büros, das jetzt zurück in unsere Privatwohnung umgezogen ist. Und dann brauchten wir erstmal eines: Platz.  Decluttern Part I, für Anfänger und Einsteiger.

To declutter bedeutet so viel wie in Ordnung bringen, entwirren. Manche nennen es auch downscaling, altmodisch sagt man wohl entrümpeln oder schlicht aufräumen. Kurzum: Ein gesunder Minimalismus ist sowohl beim packen, als auch beim zurücklassen der eigenen Habseligkeiten während einer Reise gesund und erleichternd.

Wer entwurzelt ist, reist leichter

Für das Dezimieren des eigenen Hausbestandes gibt es viele gute Gründe. Im Idealfall bringt es Geld ein, minimiert Fixkosten, schafft Platz, nimmt Verantwortung ab und schenkt mehr freie Zeit. Wer weniger Krempel hat, muss einfach viel weniger Aufmerksamkeit darin stecken, Dinge in der eigenen Abwesenheit zu pflegen, instand zu halten, zu organisieren.

Unser erster großer Verlust, der sich aber eher als großes Geschenk anfühlt, ist die Aufgabe unseres gemeinsamen 120qm Büros inklusive stattlichem Keller und ein externes Lager, das wir als Kellererweiterung unserer Privatwohnung genutzt haben.

Aber um ehrlich zu sein, die Erleichterung fällt erst an, nachdem der Umzug gemacht und der meiste Kram unter die Leute gebracht ist. Bis dahin ist es einfach nur nervig, nervenaufreibend und anstrengend. Nein, es macht überhaupt keinen Spaß.
Egal ob du deine Besitztümer komplett auflöst, oder dich nur auf die nötigen Dingen beschränken willst, hier haben wir für dich die wichtigsten Erkenntnisse, Tipps und Hinweise zum Decluttern und minimalisieren zusammengestellt.

Was wir loswerden wollen

Neben den reinen Räumlichkeiten die wir „nur“ kündigen müssen, verabschieden wir uns vor allem von Möbeln, Büchern, DVDs, CDs, Playstationspielen, Dekoartikeln, Musikinstrumenten, Kartons und Kleinkram wie Inline Skates, Telefon, Presenter für Laptop-Präsentationen und einen Entsafter. Also kurzum: Echt alles, was so ein Haushalt an Sortiment zu bieten hat.

Ausrangierte Klamotten haben wir ohne Verkaufsversuche direkt an soziale Einrichtungen gespendet.

eBay Kleinanzeigen vs. Shpock vs. Momox

Sicherlich ist neben der Entrümpelung, dem abstellen vor dem Haus mit dem bekannten Zettel „zu verschenken“ oder der örtliche Flohmarkt, vor allem das Internet der beliebteste Ort um die eigenen ungenutzten Artikel zu verscherbeln.

Wir haben auf jede Form von Markt und Direktverkauf verzichtet und uns auf die drei o.g. Onlinekandidaten beschränkt.

Ein Flohmarkt war uns bei der Masse an Gegenständen zu aufwändig, vor allem gemessen daran, dass die Preise zumindest auf Berliner Flohmärkten im Keller sind und Mühe und Zeitaufwand in keinem guten Verhältnis zum Verdienst stehen.

Unsere Erfahrung: Das meiste verkauften wir an Selbstabholer über eBay Kleinanzeigen. Ein Viertel etwa wurde gegen Vorkasse und Übernahme der Versandkosten auch verschickt.

Ein Drittel der Käufer auf eBay Kleinanzeigen erschien nicht zum vereinbarten Abholtermin und meldete sich dann nicht wieder.

Bei Shpock konnten wir fast ausschließlich nur Playstation-Spiele verkaufen und hatten für alles andere keine einzige Anfrage. Dafür erschienen alle Käufer zum vereinbarten Termin. Mit zwei Käufern entstand dieser aber gar nicht erst und der Artikel ging wieder online.

Lediglich ein Drittel der gesamten eingestellten Artikel konnte verkauft werden. Alles andere haben wir verschenkt, in sozialen Einrichtungen gespendet oder bei einem der drei Besuch bei der Mülldeponie versenkt.

Bücher, DVDs und CDs haben wir ausschließlich über Momox verkauft. Testweise hatten wir DVDs auch in den Kleinanzeigen positioniert, allerdings ohne jeden Erfolg.

Was sich wo verkauft – und was gar nicht

Grundsätzlich spricht unsere Erfolgstendenz klar für eBay Kleinanzeigen. Hier wurden wir v.a. Haushaltsgegenstände, Musikinstrumente und kleinere elektronische Geräte los. Für Möbel und Dekoartikel blieb oft nur die Verschenk-Option, trotz sehr niedriger Preise meldete sich sonst niemand.

Pro Tipp: Achtung, wenn du auf eBay Kleinanzeigen etwas verschenkst, gleicht das einem sintflutartigen Zustand. Innerhalb von 5 Minuten zwanzig Anfragen für den gleichen Artikel zu erhalten ist dann kein Problem mehr! Vorteil: Die Sachen werden sofort abgeholt. Wenigstens die Entsorgung bleibt dir dann erspart.

Bücher, CDs und DVDs schickten wir mit der Post an Momox. Ab 10,00€ Zahlungsbetrag ist der Versand der Artikel zu Momox kostenlos.
Durchschnittlich bewegten wir uns pro Artikel bei einer Bezahlung von 0,15€ – 0,25€, was lächerlich klingt und sich auch so anfühlt. Für vieles wäre sonst aber nur der Müll geblieben. Und mit fortschreitendem Decluttering-Prozess kam dann doch einiges zusammen. Am Ende zwei Pakete mit rund 120€ Gesamtwert.

Pro Tipp: Keine Playstation-Spiele hier einsenden oder in anderen „Gebrauchtwarenläden“ abgeben. Für das direkte Einstellen in den digitalen Kleinanzeigen erhältst du für dasselbe Spiel das 3- bis 5-fache.

Pro Tipp II: Fachbücher bringen gelegentlich noch richtig Geld ein, auch auf Momox. (Leider haben Sie dann meist aber auch deutlich mehr gekostet…)
Um eine Hausnummer zu nennen: Für ein Grafikdesignfachbuch habe ich über 30,00€ erhalten. Bei einem Durchschnittspreis von sonst ein paar Cent fühlt sich das an wie ein 6er im Lotto.

Playstation-Spiele wurden wir sowohl auf eBay Kleinanzeigen als auch Shpock los. Bei Shpock ging es etwas schneller und die Kommunikation mit den Käufern als auch die Organisation von Geboten fanden wir angenehmer als bei eBay.
Dafür wurde wirklich, wirklich wenig über Shpock verkauft und das doppelte Einstellen der Artikel kostet viel Zeit.

Wie du dafür sorgst, dass sich dein Zeug verkauft

  1. Ordentliche, aussagekräftige, schöne Fotos (gähn… der Klassiker, aber wahr!)
  2. Ein unschlagbarer Preis
  3. Key-Facts und Produktbeschreibung (!)
  4. So kurz wie möglich, so lang wie nötig

Ok, alles keine bahnbrechenden Neuerungen, aber viele Verkäufer scheinen mit dem Kleinanzeigen 1×1 trotzdem noch nicht so richtig vertraut.
Neben Fotos, die einfach gut aussehen müssen, idealerweise vor weißem oder neutralem Hintergrund, bei gutem Licht, nicht verpixelt und das Produkt von der Schokoladenseite zeigend, ist natürlich v.a. der Preis ausschlaggebend.

Pro Tipp Preis: Leider erhält man nur sehr selten was der Artikel wirklich wert ist. Vom emotionalen Wert gar nicht zu sprechen.
Ich wusste, wenn ein Artikel sich nicht verkauft, landet er in Kürze in der Spende, also gleich 0€ Gewinn für mich, oder auf dem Müll.
Mit dem Gedanken im Hinterkopf habe ich die Preise auch lieber mal ein paar Euro zu niedrig angesetzt.
Die Devise: Weg ist weg! Klammere dich nicht an ein paar Euro fest. Wenn der Artikel dann nämlich bei dir Zuhause stehen bleibt, haste auch nix gewonnen…

Pro Tipp Key-Facts: Unbedingt mal, wenn möglich, das Produkt ergoogeln und ein paar Key-Facts mit in die Beschreibung hauen. Kostet dich vielleicht ein paar Minuten mehr, steigert aber die Verkaufsrate gerade bei Elektronikartikeln.

Und, natürlich: Einfach nicht übertreiben in Sachen Text und Beschreibung.

Gib dem ganzen ein absehbares Ende

Man kann sich in den ganzen Verkaufsprozess verzetteln, Sachen x-mal neu einstellen, doch noch was finden, nochmal woanders probieren… und kommt so dann irgendwie keinen Meter weiter. Pro Tipp in Sachen Zeit: Gib’ dem ganzen schon vorab ein Ende!

Alles was sich nach 7 Tagen nicht verkauft hat, verkauft sich sehr wahrscheinlich auch nicht später. (Eine Ausnahme würde ich nur für sehr teure / wertvolle Artikel machen, in meinem Fall z.B. meine E-Gitarre, die ich für 210€ abgegeben habe.)

Wir haben das daher so gehandhabt: Alles was wir verkaufen wollten, wurde nach dem fotografieren und einstellen direkt in Kisten verpackt. Wurde was davon verkauft, habe ich’s wieder rausgekramt.
Und alles, was nach 7 Tagen noch in den Kisten stand, wurde einfach so eingeladen und zur Spende gebracht.

Fazit nach 14 Tagen Dauer-Decluttering

  1. Verkaufen ist nervig
  2. Es wird Dinge geben, bei denen dir das Herz blutet sie zu verschenken / in den Müll zu geben – aber es will sie einfach keiner haben
  3. Wir haben viel zu viel gekauft. Von allem. Jemals.
  4. Viele kleine Summen sehen am Ende doch ganz nett in der Spardose aus

Das ganze Auflösen von Besitztümern ist kein Spaziergang, kein Hobby und mir hat es nicht einmal Spaß gemacht. Aber: Das Gefühl den Kram los zu sein ist echt befreiend. Jeder Artikel der das Haus verlässt, schafft ein bisschen Platz zum atmen, macht den Kopf frei, nimmt Verantwortung und Arbeit ab.

 

Unser Decluttering- und Minimalismus-Prozess in Zahlen:

Wir sparen ab sofort:

(- 1200€ Büromiete / Monat)
– 70€ Lagermiete / Monat
– ca. 20€ Sprit für Fahrten zum Büro / Monat
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+ 360€ / für die gesamte Dauer unserer Reise

Einnahmen aus Verkäufen:

+ 317,60€ Kleinanzeigen allg.
+ 123,24€ Bücher, DVDs, CDs
+ 5€ Newsletter Anmeldung bei Momox
____________________

+ 445,84€

 

Nicht enthalten in dieser Rechnung ist das Büroinventar und Büromöbel. Das Geld aus diesen Verkäufen steht der jeweiligen Firma zu, dafür fallen aber auch „nur“ für die Firma die Mietkosten des Büros weg.

Hier in diesen Zahlen geht es also v.a. um unseren Privatbesitz und unsere Privatkosten.

Ach ja: Danke auch an unser Auto, das uns so tapfer bei all dem unterstützt hat.

So – welche Ausreden hast du jetzt noch, nicht zu entrümpeln? Oder gar schon eine Erfolgsstory, die du mit uns teilen willst, um andere Decluttering-Unwillige vom nervigen aber lohnenden Prozess zu überzeugen?

Tamara lebte von Kindesbeinen an mit Hunden zusammen, schlug zwischenzeitlich sogar einmal die Karriere als Tierarzthelferin ein und ist mittlerweile Hundebesitzerin und Gründerin gleich zweier Tierschutzvereine. Wenn sie nicht irgendwas-mit-Hunden oder irgendwas-mit-Medien macht ist sie am liebsten auf Reisen – mit Hund, versteht sich.

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